Nachrichten aus der Pfarrei St. Katharina von Alexandrien

Pfarrbrief »miteinander unterwegs«


Februar 2016

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Lebendiger Prozess:
Gemeindemitglieder beleuchten den pastoralen Raum


Der pastorale Raum ist immer wieder ein Thema im Pfarrbrief. Nachfolgend können Sie ein Gespräch lesen, das Menschen aus dem und über den pastoralen Raum geführt haben.

Die Gesprächspartner: Wiebke Turkat (WT). Die evangelische Christin ist Leiterin der Bahnhofsmission Elmshorn. Durch die enge Zusammenarbeit mit der Gemeinde Mariæ Himmelfahrt Elmshorn betrachtet sie als Außenstehende die Veränderungen in dem Entwicklungsprozess zum pastoralen Raum.
Christian Scheinert (CS). Der Vorruheständler bringt uns als Lektor das Wort Gottes nahe. Er ist als aktives Gemeindemitglied von den Veränderungen betroffen, ohne aber direkt an der Konzeption des pastoralen Raumes teilzuhaben.
Peter Klein-Boß (PK). Er bringt als Mitglied im Gemeinsamen Ausschuss und im Lenkungsausschuss die Innensicht des pastoralen Raums in das Gespräch ein.
Als Moderatorin fungierte Ruth Langemann (RL), Mitglied des Kirchengemeinderates und im Öffentlichkeitsausschuss.

RL: Herr Scheinert, welche Berührungspunkte haben Sie mit dem pastoralen Raum und welche Assoziationen verbinden Sie mit dem Begriff?
CS: Bislang hatte ich nur wenige Berührungspunkte. Ich weiß, dass es den pastoralen Raum gibt. Die veröffentlichten Texte habe ich – ehrlich gesagt – zur Kenntnis genommen, aber nicht viel Konkretes darin gefunden. Ich verbinde damit bis heute folgende Stichworte: Priestermangel, Geldmangel und Zusammenlegung. Auf das heutige Interview habe ich mich jedoch vorbereitet und mir etliche Fragen notiert.
Meine Kernfrage lautet: Wie wird der pastorale Raum in der Praxis aussehen?
Die bisherigen Veröffentlichungen und vor allem die Aussage »Es geht nicht primär um die Zusammenlegung von Pfarreien, sondern um pastorale Erneuerung« sind mir zu theoretisch.
PK: Der aktuelle Prozess hat eine Vorgeschichte: 2005 fand bereits eine Gemeindereform statt. Damals fasste das Erzbistum tatsächlich lediglich Gemeinden zu neuen Pfarreien zusammen – wie beispielsweise Elmshorn und Barmstedt. Das war langfristig jedoch zu kurz gedacht. Das Ergebnis war nicht zufriedenstellend und ist heute bereits überholt.
Jetzt verfolgen wir einen neuen Denkansatz. Da klar ist, dass nicht mehr alle Gemeinden alles leisten können, soll zunächst jeder pastorale Raum festlegen, wo seine Schwerpunkte für das Gemeindeleben künftig liegen sollen.
Konkret heißt das: Wir befinden uns jetzt in einer Übergangszeit – einer Zeit der Veränderung, der Überlegung.
Aus verschiedenen eigenständigen Pfarreien wird am Ende des Prozesses eine neue Pfarrei mit Ortsgemeinden in Quickborn, Wedel, Uetersen, Elmshorn Pinneberg und Halstenbek entstehen. Auf der Ebene der Pfarrei werden die Gremien dann in einem Ausschuss gebündelt.
Der Entstehungsprozeß ist auf drei Jahre angelegt. Wichtig ist, dass das Erzbistum den Prozess zwar begleitet, die einzelnen Gemeinden aber weitestgehend selbstständig das Konzept für ihren pastoralen Raum gestalten. Dazu gehört ein Profil für die Seelsorge, aber auch diverse andere Angebote für die unterschiedlichen Zielgruppen einer Gemeinde. Sie überlegen auch, welche Angebote es zentral und welche es örtlich in den einzelnen Gemeinden geben soll. Es wird zukünftig nicht mehr alle Angebote in jeder Ortsgemeinde geben. Ein erstes gutes Beispiel für ein zentrales Angebot ist die Firmvorbereitung in diesem Jahr, die alle Jugendlichen des pastoralen Raums gemeinsam erlebt haben.
Mit Gründung der neuen Pfarrei 2017 werden die Überlegungen dann in die Praxis umgesetzt. Die neue Pfarrei erhält einen Gesamtstellenplan für hauptamtliche Mitarbeiter.
CS: Und wie sieht die personelle Besetzung aus? Wie steht es um die Finanzen?
PK: Die Spekulation über die genaue Ausstattung der neuen Pfarrei mit Hauptamtlichen ist schwierig. Stand heute sieht der Stellenplan 2,5 Stellen für Priester vor, dazu kommen GemeindereferentInnen. Diese werden aber nicht nur regional präsent sein, sondern auch thematisch orientiert in allen Ortsgemeinden.
In den einzelnen Ortsgemeinden wird es Pfarrbüros geben, die hauptamtlich besetzt sind. Neu eingerichtet wird eine zentrale Stelle für Verwaltungsaufgaben.
Das Erzbistum wird der neuen Pfarrei Finanzmittel zuweisen, die dann verteilt werden. Die jeweiligen Ortsgemeinden erhalten davon eigene Mittel.
CS: Endlich mal die ersten Fakten . . .
Meine nächste Frage: Wie will man denn trotz größerer Räume und Entfernungen das kirchliche Leben und vor allem die Seelsorge lebendiger gestalten?
PK: Dies soll von den Gemeinden gestaltet werden, indem mehr Gemeindemitglieder aktiv eingebunden werden. Im Februar 2016 beginnen wir das Leitbild zu formulieren: »Wie wollen wir Kirche sein?« Im Moment gibt es das biblische Leitwort »Du sollst ein Segen sein«, an dem wir uns orientieren wollen. Daraus sollen dann zum einen beim Treffen aller Mitglieder unseres pastoralen Raumes am 13. Februar Ziele formuliert werden, zum anderen in den verschiedenen Arbeitsgruppen, die zur Zeit aktiv sind, konkrete Pläne erarbeitet werden, wie wir in Zukunft Kirche sein werden.
CS: Und wie will man mehr Ehrenamtliche gewinnen und wie wird man mit den Ehrenamtlichen umgehen? Welche ehrenamtlichen Funktionen wird es geben? Ich befürchte, dass etliche wegen der Strukturveränderungen – auch in der Gottesdienstordnung – aufhören werden.
PK: Viele ehrenamtliche Berufene werden weiterhin in den einzelnen Ortsgemeinden verortet bleiben. Für andere wird es gut sein, sich über die heutigen Gemeindegrenzen hinweg dort zu engagieren, wo es Angebote gibt, die ihre Interessen und Bedürfnisse am besten treffen. Wir hoffen, dass es zu einem regen Austausch und zu guter Zusammenarbeit der Gruppen der heutigen Gemeinden kommt.
RL: Welches Fazit ziehen sie beide aus diesem Gespräch?
CS: Ich finde, dass das Thema pastoraler Raum viel praxisbezogener und aktiver kommuniziert werden sollte. Denn es scheint ja sehr wichtig zu sein, dass wir als Gemeindemitglieder uns aktiv beteiligen und engagieren! Könnte man den Prozess vielleicht häufiger zum Beispiel im Rahmen des Gottesdienstes thematisieren und damit zu mehr Engagement aktivieren?
Außerdem schlage ich vor, die verschiedenen Angebote in den Gemeinden jetzt schon bekannter zu machen.
PK: Ich habe mir viele Notizen gemacht und viele Anregungen erhalten, die ich weitergeben werde. Vielen Dank, dass Sie, Herr Scheinert, einmal offen die Fragen angesprochen haben, die Sie bei dem Gedanken an den Raum bewegen.
RL: Herr Scheinert, vielen herzlichen Dank für das Gespräch.
Frau Turkat: Welche Erfahrungen haben Sie als Leiterin der Bahnhofsmission mit dem Thema pastoraler Raum?
WT: Das Aufbrechen gewohnter Strukturen innerhalb einer Gemeinde hin zu einer neuen Form – hin zu einer neuen, anderen Pfarrei – ist ein langwieriger Prozess. Dieser bedeutet für die Christen Bewegung. Auch Jesus war ständig unterwegs – hin zu den Menschen.
Der Weg zu neuen Strukturen bedeutet mehr eigenverantwortliches Handeln für jedes Gemeindemitglied. Diese Prozesse sind leider schmerzhaft.
Jeder Christ trägt Verantwortung und jeder Christ ist immer ein Leuchtturm in seiner Gemeinde – in seinem Umfeld.
RL: Welche Aspekte sind aus Ihrer Sicht auf diesem Weg hin zu neuen Strukturen wichtig?
WT: Bei aller notwendigen theoretischen Arbeit in den Gremien ist es einerseits wichtig, die Gemeindemitglieder zu aktivieren und mitzunehmen. Anderseits ist es enorm wichtig, konkret zu werden und zu erklären.
Von großer Bedeutung ist die Begleitung der Ehrenamtlichen. Diese zu motivieren, fortzubilden, zu schulen halte ich für elementar. Denn die Ehrenamtlichen können begeistern und bewegen.
Die Institution Kirche hat sich lange ausgeruht und verabschiedet sich jetzt von der »Versorgungsmentalität«. Sie braucht Bewegung und Mut sowie den Blick auf alle Menschen. Es gilt Räume zu schaffen, wo Menschen sich wohlfühlen – unabhängig davon, ob vorne am Altar oder im Gemeindezentrum immer ein Priester steht.
RL: Frau Turkat, welche Fragen haben Sie an Herrn Klein-Boß?
WT: Wie viele Christen leben aktuell im pastoralen Raum und wie werden die Strukturen entwickelt?
PK: In unserem pastoralen Raum leben aktuell 20 000 Katholiken – es ist ein wachsender Raum. Die Bevölkerungszahlen steigen.
Die Strukturen werden im Wesentlichen in der Lenkungsgruppe und im Gemeinsamen Ausschuss erarbeitet. Daran sind insgesamt etwa 35 Personen beteiligt. Aus dem Gemeinsamen Ausschuss heraus bilden sich Arbeitsgruppen zu Fragen der Liturgie, Katechese, Öffentlichkeitsarbeit, Jugend, Infrastruktur, aufsuchende Kirche, Kindertagesstätten, Finanzen. Hier werden dann aus den einzelnen Ortskirchen weitere Gemeindemitglieder eingeladen, konkrete Projekte zu gestalten.
In den Arbeitsgruppen werden konkrete Ideen entwickelt, wie das Leben in unserer künftigen Pfarrei aussehen soll, was gemacht werden soll, was zentralisiert werden kann und was in den einzelnen Ortsgemeinden stattfinden und wie es stattfinden kann.
Der pastorale Raum ist ein Prozess – am Ende dieses Prozesses steht die Gründung einer neuen Pfarrei mit Hauptamtlichen, nebenamtlichen Diakonen und vielen Ehrenamtlichen.
RL: Frau Turkat, auch Ihnen danke ich sehr herzlich für das Gespräch.



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