Pfarrei St. Katharina von Alexandrien, Pinneberg




Das Vier-Chöre-Konzert in Herz-Jesu – abwechslungsreich, besinnlich, brillant






Als „historisches Ereignis“ bezeichnete Konzert-Moderator Georg Zimmerer in seinem Schlusswort den gelungenen Auftritt der Chöre aus Pinneberg (Chor St. Michael) und Halstenbek (Jugendchor SongShine, Kantorei Krupunder und Kirchenchor Herz Jesu). Sie waren am 3.7.2016 als Veranstaltung der Halstenbeker katholischen und evangelischen Kirchengemeinde in der Herz-Jesu-Kirche erstmalig gemeinsam aufgetreten. Vier Chöre, das waren vier Highlights. 90 Minuten lang und immer wieder neue Nuancen, Stilrichtungen und Chorschwerpunkte.
Beginn war der heitere Einzug des Jugendchors SongShine, klangvoll umgeben von Orgelimprovisationen des „Orgelautodidakten“ (O-Ton Zimmerer) Hendrik Schwager. Die Spannung in der prall gefüllten Kirche vor dem Konzertbeginn erreichte einen Höhepunt, als die Jugendlichen in zwei fröhlichen Reihen vor dem Altar Stellung bezogen. Doch noch verweilte der um einen reibungslosen Ablauf (im Nachhinein gesagt: erfolgreich) bemühten Moderator gefühlt lange zwei Minuten bei Begrüßung und Einleitung. Bald aber zeigte SongShine mit vier Liedern seine vielseitige Begabung sowohl in a-cappella- wie in instrumental begleiteter Aufführung eines romantischen Lieds (Mendelssohn-Bartholdi) und dreier zeitgenössischer Hits (von S. Mabey, Queen und Wise Guys; für Letzteres positionierte sich der Chor an den vier Ecken des Kirchenschiffs sehr effektvoll). Tosender Applaus vor und nach dem eigentlich vorgegebenen Zeitpunkt war die Folge.
Als nächster kam der Herz-Jesu-Chor mit einer schlicht, feinstimmig und präzis artikulierten Ausführung von drei Kirchenliedern, die sich in Klang und Inhalt kaum deutlicher hätten sich unterscheiden lassen: mal anmutig (Mendelssohns Wirf Dein Anliegen auf den Herrn), mal anbetend/dankend (Taizé-Laudate) und schließlich britisch-majestätisch (Tamblings Sanctus/Benedictus), was das Publikum zu einem verdient langen Applaus motivierte. Das dritte Highlight kam mit der vom Herz-Jesu-Chor und der Kantorei Krupunder zusammen ausgeführten mitreißenden Interpretation eines Auszugs aus der ‚Schöpfung‘ von Haydn. Das Mitreißende blieb als ausstechendes Merkmal der Kantorei bei ihrer Ausführung von Werken des Brasilianers Loureiro Lopes (Obrigado, Senhor – im portugiesischen Originaltext gesungen), des romantischen Hamburgers Mendelssohn-Bartholdy („Wie der Hirsch schreit“) und des italienischen Verdi (‚Va pensiero‘); auch hier ließ sich das Publikum zu langem Applaus hinreißen.
Als I-Pünktchen aller Kirchenchöre kam zuletzt die nahezu virtuose a-cappella-Aufführung von fünf ins Herz gehenden Kirchenliedern aus drei Jahrhunderten durch den Kirchenchor St. Michael: Alta Trinita Beata (13. Jh.), Ubi Caritas et Amor (O. Gjeilo, 1978), Jubilate Deo (L. Hamos, 1909-1997), Locus Iste (A. Bruckner, 1869) und In Stiller Nacht (J. brahms, 1864). Bemerkenswert dabei war, wie deutlich jeder Chor die Handschrift seiner Chorleiter(innen) zeigte: bravourös-temperamentvoll der Jugendchor unter Dorit Navetta, konturgenau der Herz-Jesu-Chor unter Lene Strindberg, lebhaft und geschmeidig die Kantorei Krupunder unter Hye-Yeon Cho und filigran nuanciert der St.-Michael-Chor unter Wolfram Hillenbrand.
Damit nicht genug, forderte der Moderator zum Schluss alle vier Chöre mit knapp 90 Sängerinnen und Sängern zu einem gemeinsamen Lied (Herr Gott, Dich loben wir) auf, enthusiastisch dirigiert durch Lene Strindberg und heftig applaudiert vom Publikum. Darauf die Überraschung des Abends: ein raumfüllender Canon (Viel Glück und viel Segen) aller Chöre zusammen mit dem Publikum für das Geburtstagskind Ursula Büttner, 70 (O-Ton Büttner: „So einen Canon werde ich nie vergessen“). Dann das vierstimmige Schlusslied von Chören und Gemeinde („Ein Irischer Segen“), Danksagungen und Blumen-Überreichung an Chorleiter, Organisten, Pianisten, Moderator und Koordinator; dieser nahm seine Rose allerdings an und warf sie als Dank an das „großzügige Publikum“ rücklings in Richtung Kirchenbänke zurück, nachdem er die (leider vergebliche) Hoffnung geäußert hatte, damit ein neues Chormitglied einzufangen. Und die Orgel – vor Ort auf die Herz-Jesu-Kirche spezifisch intoniert – ertönte unter den Improvisationen von Hendrik Schwager erneut, um die nun hinausströmenden Konzertbesucher klangvoll zu begleiten. So war die Veranstaltung mit mehr als 1.100 Euro Spendeneinnahmen für die Finanzierung der Orgel auch finanziell gelungen.

Gilberto Calcagnotto




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